Circular Economy – Der politische Fußabdruck des Green Deal

Elke Radtke
BDG Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e.V. - Düsseldorf

Im Jahr 2019 hat die Europäischen Kommission mit dem „European Green Deal“ eine politische Agenda vorgelegt, deren Umsetzung tiefgreifende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben wird. Bekanntestes und übergeordnetes Ziel ist das Erreichen einer Klimaneutralität der Europäischen Union (EU) bis zum Jahr 2050. Gleichzeitig soll die EU ein global wettbewerbsfähiger Wirtschaftsraum sein, in dem Wachstum und Ressourcennutzung entkoppelt sind.

Entscheidende Schlüsselstrategie hierzu ist neben der Transformation der Energiewirtschaft der Weg in eine Kreislaufwirtschaft – die Circular Economy. Heute ist die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen direkt oder indirekt auf die Rohstoffförderung und -verarbeitung zurückzuführen. Das Klimaschutzpotenzial ist an dieser Stelle also erheblich. Die EU möchte deshalb ebenfalls bis zur Mitte dieses Jahrhunderts Rohstoffe und Ressourcen konsequent im Kreislauf führen und so das derzeitige, sehr oft noch linear verlaufende Wirtschaftsmodell in ein zirkuläres System überführen.

Für Gießereien ist all dies seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Als Verarbeiter von Schrotten sind die Betriebe unserer Branche Pioniere der Circular Economy. Und nicht nur der Metallkreislauf funktioniert seit langer Zeit hervorragend. Auch der klassische Formstoff Sand wird mehrere Male verwendet und nur zu wenigen Prozentanteilen entsorgt.

Diese ausgeschleusten Mengen können als Ersatzbaustoff sowie in der Zement- und Ziegelindustrie verwertet werden – gut die Hälfte des Altsandes geht jedoch nach wie vor auf Deponien. Zwar wird er dort ebenfalls überwiegend zu Bauzwecken benutzt, muss aber die gleichen Kriterien erfüllen wie sonstige entsorgte Abfälle.

Deshalb ruhten große Hoffnungen auf der neuen Ersatzbaustoffverordnung. Deren eigentliches Ziel, natürliche Ressourcen durch einen verstärkten Einsatz mineralischer Abfälle im Bausektor zu schonen, dürfte aber kaum erreicht werden. Denn die Anforderungen an potenzielle Ersatzbaustoffe wurden im Interesse eines anspruchsvollen Boden- und Grundwasserschutzes so ambitioniert ausgestaltet, dass vermutlich zusätzliche Stoffströme auf Deponien anstatt in Bauvorhaben umgeleitet werden.

Diese Entwicklung wäre fatal. Seit Jahren nehmen die Kapazitäten auf Deponien in Deutschland kontinuierlich ab. Neue Volumina werden nicht in einer erforderlichen Menge geschaffen, um eine mehrjährige Entsorgungssicherheit zu gewährleisten. Der BDG befasst sich mit diesem Thema schon lange sehr aktiv; unter anderem wurde mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie ein Diskussionspapier erstellt, in welchem die Besorgnis betroffener Branchen hinsichtlich der Engpässe bei den Deponien zum Ausdruck gebracht und Lösungsansätze aufgezeigt werden.

Sichtbares Zeichen der Verknappung sind die steigenden Entsorgungskosten für Altsande. Im Lauf der letzten Jahre sind erhebliche Preiserhöhungen zu verzeichnen. Vielfach müssen weitere Transportwege zurückgelegt werden, um eine passende Deponie zu finden – im Sinne des Klimaschutzes ist das nicht.

Noch gibt es für produktionsspezifische Abfälle in den gesetzlichen Regelungen keine Verpflichtung zur Einhaltung bestimmter Recyclingquoten, doch die Circular Economy wirft auch hier ihre Schatten voraus. Die derzeit in der Überarbeitung befindlichen Besten Verfügbaren Techniken (BVT) für Gießereien werden vermutlich auch Vorgaben für den Verbrauch bzw. Wiedereinsatz von Formstoffen machen.

Elke Radtke