Gusskonjunktur nach der Krise

Tillman van de Sand
BDG Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e.V.

Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der Covid-19 Pandemie. Die Welt hat ihre größte Krise der Nachkriegszeit erlebt und diese auch im Frühjahr 2021 noch nicht überwunden. Die Pandemie hat derweil weitere strukturelle Umbrüche überschattet, welche die Gießerei-Industrie vor zukunftsweisende Herausforderungen stellen. So war das Vorkrisenjahr 2019 bereits von negativen Wachstumsraten in der weltweiten Gussproduktion geprägt.

Wenngleich die Pandemie die gesamte Weltwirtschaft in Schockstarre versetzt und somit auch die globale Nachfrage nach Gussprodukten beeinträchtig hat, sind die Auswirkungen von Region zu Region verschieden. Während die Pandemie in China ihren Ursprung fand und das Land entsprechend als erstes weitreichende Maßnahmen verhängte, befindet sich die Volksrepublik schon seit langer Zeit wieder im Aufschwung. Neben der Türkei konnte China als einzige bedeutende Wirtschaftsmacht im Krisenjahr ein positives BIP-Wachstum verzeichnen. Während der ehemalige US-Präsident mit konfusen Aussagen zu Covid-19 Schlagzeilen machte und die Infektionszahlen in den USA auf traurige Rekordwerte anstiegen, brach die US-Wirtschaft noch verhältnismäßig milde ein. Nachdem der ehemalige Präsident in der Vergangenheit den offenen Handelskonflikt mit China suchte und sich die beiden größten Wirtschaftsnationen der Welt mit Strafzöllen und wirtschaftspolitischen Vergeltungsmaßnahmen belegten, gilt sein Nachfolger Biden als berechenbarer. Gleichwohl hat Biden bereits deutlich erkennen lassen, dass er von der EU fordert den Druck auf die Volksrepublik China zu erhöhen. Handelspolitisch wird dies für die EU und Deutschland zu einem Balanceakt. Insbesondere für die exportorientierte deutsche Industrie wird gleichwohl das Schreckensszenario von US-Zöllen auf Fahrzeuge unwahrscheinlicher. Mit der Rückkehr der USA zum Pariser Klimaabkommen ist einerseits die Hoffnung auf internationale Kooperationen im Kampf gegen den Klimawandel verbunden. Andererseits wird es in den kommenden Jahren für die deutsche und europäische Gießerei-Industrie entscheidend sein, dass die Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter durch sehr ambitionierte klimapolitische Vorgaben gefährdet wird, während gleichzeitig andere Nationen Kosten bei Klimaschutzmaßnahmen einsparen. Die Diskussionen über der Ausgestaltung eines effektiven Carbon Leckage Schutzes werden entsprechend umfangreich und kontrovers geführt. Die Transformation der europäischen Industrie wurde durch die Pandemie derweil ohnehin insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, erneuerbare Energien oder aber auch bei der E-Mobilität beschleunigt. Den komplexen Herausforderungen Rechnung tragen zu können ist für die Gießereien dabei nicht einfacher geworden. Europas späte Erholung von der Krise ist zudem mit erheblichen Problemen verbunden. Während die Auftragsbücher inzwischen gut gefüllt sind, müssen Produktionsprognose zum Teil nach unten korrigiert werden, weil Materialien nicht nur erheblichen Preisdynamiken unterliegen, sondern bisweilen auch Engpässe in den globalen Lieferketten herrschen. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen liegen die Chancen und Risiken der deutschen Gießereien eng beisammen.

Tillman van de Sand