Rohstoffe für die Eisen- und Stahlindustrie im Umbruch zwischen Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit / Raw materials for iron and steel industry in the turnaround between sustainability and availability

Guido Horn
SR-SCHOLZ ROHSTOFFE GMBH & CO. KG

Durch die ständig weiter wachsende Weltbevölkerung und damit verbundener Infrastrukturprojekte ist der Wettlauf um Ressourcen und Rohstoffe längst in vollem Gange. Dem steigenden Bedarf und damit verbunden immer höheren Verbräuchen sowie Emissionen, steht das Streben nach Reduktion von Co² entgegen. Die Transformation vom Verbrenner zur Elektromobilität ist nur ein Baustein dieses gewaltigen Umbruchs. Die Eisen- und Stahlindustrie als unverzichtbare Wurzel der Infrastruktur ist in diesem Kontext in besonderem Ausmaß betroffen. Infrastruktur und Wachstum sind ausschließlich mit dem Einsatz von Rohstoffen zu erreichen.

Der aktuell stark beanspruchte Begriff Nachhaltigkeit ist derzeit auf nahezu jedem Produkt zu finden und jedes Unternehmen kämpft derzeit darum, von der Öffentlichkeit und den Kunden als besonders „Nachhaltig“ wahrgenommen zu werden. Laut Definition ist es das  Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme gewährleistet werden soll. Um dieses Bemühen ernst zu nehmen, sollten wir das Substantiv nicht so beliebig- ja gerade zu inflationär nutzen. Nachhaltig bedeutet auch „schonen“, etwas behutsam, sorgfältig, sorgsam und vorsichtig zu verwenden.

Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem KrWG zu, das den Zweck hat, die Schonung der natürlichen Ressourcen zu fördern. In der Hierarchie ist vor der Beseitigung zunächst die Vermeidung, die Vorbereitung zur Wiederverwertung und das Recycling zwingend verbindlich zu klären. Schon heute leistet die Entsorgungswirtschaft hierzu einen unverzichtbaren Beitrag zur Ressourcenschonung- und damit zur Vermeidung von Umweltbelastungen. Dennoch werden immer noch erhebliche Mengen an Rest- und Wertstoffen deponiert und der Entsorgung zugeführt, obwohl schon längst technische Möglichkeiten bestehen, diese wertvollen Materialien wieder in den Produktionskreislauf zu bringen. Hier ist noch viel Potenzial, den vielfach zu Unrecht unter einem schlechten Image leidenden Sekundärrohstoffen den Stellenwert zukommen zu lassen, den sie verdienen. Als Beispiel aus der Vergangenheit seien an dieser Stelle die  „Reifendrahtpresslinge“ genannt.

Ein Recyclingprozess muß technisch simpel und wirtschaftlich aus verwertbaren Fraktionen ein Produkt erzeugen, welches in seiner Qualität homogen und stabil über einen kontinuierlichen Zeitraum verläßlich zur Verfügung steht. Durch stark volatile Märkte wie wir sie gerade im vergangenen Jahr und dieses Jahr noch hautnah erleben, ist es auch in Zeiten ausreichender Menge von Primärmaterial dennoch attraktiv, an Alternativen aus der Sekundärschiene zu forschen. Eisenbrikett mit einem ges. Fe-Anteil unter Berücksichtigung des Bindemittels von 70-75 % sin daher ein Ansatz mit einem zugleich breiten Abnehmerpotenzial. Nach Anforderung der einzelnen Abnehmer können Rezeptspezifisch die Anforderungen aus dem Bereich Phosphor, Schwefel und Alkalien berücksichtigt werden.

Was bedeutet der Einsatz von solchen Sekundärprodukten für den Abnehmer im Hinblick auf die Umweltbilanz und die Wirtschaftlichkeit beim Endprodukt? Wie können beim Blick über die Schulter benachbarte Industriezweige wie Zementwerke, die chemische Industrie, die Landwirtschaft die Einsatzstoffe nutzen oder zur Verfügung stellen? Wie können in Zukunft industrieübergreifend die Interessen unserer produzierender Firmen und Werke über den Fachaustausch der Verbände und Fachleute gebündelt und vertreten werden? Diese Ansätze wollen wir nutzen und am Beispiel eines Fe-Briketts - Metbriq®- vorstellen.